Unser erster richtiger Tag auf Island beginnt – und schon jetzt wird klar, dass diese Reise ganz anders werden könnte als ursprünglich geplant. Wir sind für eine ganz besondere Mission nach Island gekommen: Wir wollen die totale Sonnenfinsternis erleben. Mehr als ein Jahr haben wir diese Reise vorbereitet, Flüge gebucht, eine Unterkunft organisiert und einen Mietwagen reserviert. Doch ausgerechnet einen Tag vor dem großen Ereignis entwickelt sich das Wetter zu unserem größten Gegner. Regen, Wolken und Wind ziehen über den Süden und Westen Islands und damit genau über die Regionen, die für unsere Beobachtung eigentlich infrage kommen. Bevor wir uns aber entscheiden müssen, wohin uns die Jagd nach der Sonnenfinsternis führen wird, wollen wir unseren ersten vollständigen Tag auf Island nutzen und dieses faszinierende Land endlich richtig kennenlernen. Nach unserer sehr späten Ankunft in Hafnarfjörður sind wir noch ziemlich erschöpft. Durch die Zeitverschiebung und die lange Anreise war es nach deutscher Zeit bereits tief in der Nacht, als wir endlich unsere Unterkunft erreicht haben. Deshalb beginnt der Tag zunächst ganz unspektakulär mit etwas, das bei jeder Reise dazugehört: Wir brauchen Lebensmittel. Unser erster Stopp führt uns zu Bónus, einer der bekanntesten Supermarktketten Islands. Und wer zum ersten Mal vor einem Preisschild mit mehreren hundert oder sogar tausend Kronen steht, muss sich zunächst daran gewöhnen, die Preise gedanklich umzurechnen. Gleichzeitig ist ein Supermarkt für uns immer eine der spannendsten Möglichkeiten, ein fremdes Land kennenzulernen. Dann entdecken wir etwas, das wie für unsere Reise gemacht scheint: eine spezielle Sonnenfinsternis-Schokolade. Das kalte Wasser dagegen ist hervorragend und kann problemlos getrunken werden. Der Geruch des warmen Wassers gehört aufgrund der geothermischen Energie und der natürlichen Gegebenheiten für viele Regionen Islands einfach zum Alltag. Und genau diese geothermische Aktivität werden wir später an diesem Tag noch aus nächster Nähe erleben. Eigentlich war für heute ein Besuch des Þingvellir-Nationalparks geplant. Doch nach der langen Anreise, dem Einkauf und einer dringend notwendigen Pause merken wir schnell, dass wir unseren Zeitplan ändern müssen. Statt den ursprünglichen Plan mit Gewalt durchzuziehen, entscheiden wir spontan um. Genau diese Flexibilität wird auf dieser Island-Reise ohnehin noch eine sehr wichtige Rolle spielen. Unser neues Ziel wird ein Geothermalgebiet auf der Reykjanes-Halbinsel. Schon die Fahrt dorthin wird zu einem Erlebnis. Die Landschaft verändert sich, die Straßen führen durch eine Umgebung, die teilweise aussieht, als würde sie aus einem Film stammen. Seen, Berge, dunkle Erde und weite Flächen sorgen immer wieder dafür, dass wir einfach nur staunen können. Für uns ist es das erste Mal, diese Landschaften tatsächlich mit eigenen Augen zu sehen. Bilder und Dokumentationen über Island kennt fast jeder – aber selbst dort zu stehen, ist noch einmal etwas vollkommen anderes. Unterwegs legen wir spontan einen Zwischenstopp ein. Von einem Aussichtspunkt eröffnet sich ein beeindruckender Blick über einen See und die umliegende Landschaft. Es ist windig, kalt und immer wieder ziehen Regenschauer durch, doch genau dieses wechselhafte Wetter gehört offensichtlich zu Island dazu. Gleichzeitig zeigt uns dieser spontane Halt, dass man hier nicht unbedingt immer eine berühmte Sehenswürdigkeit benötigt. Manchmal reicht es, irgendwo sicher anzuhalten, auszusteigen und sich umzusehen. Die Landschaft selbst ist bereits die Attraktion. Schließlich erreichen wir das Geothermalgebiet und spätestens jetzt fühlt sich Island endgültig wie eine andere Welt an. Überall steigt Dampf aus dem Boden, die Erde leuchtet in unterschiedlichen Gelb-, Rot-, Grau- und Brauntönen und aus den heißen Quellen ist deutlich ein Blubbern zu hören. Dazu kommt der intensive Schwefelgeruch, den wir bereits vom warmen Wasser unserer Unterkunft kennen – nur hier natürlich noch wesentlich stärker. Zum ersten Mal stehen wir direkt vor einem aktiven Geothermalgebiet und können erleben, welche Kräfte unter der Oberfläche dieser Insel wirken. An verschiedenen Stellen tritt heißer Dampf aus dem Boden, Wasser brodelt und die Landschaft wirkt beinahe außerirdisch. Dabei ist allerdings Vorsicht angesagt. Die ausgewiesenen Wege sollten keinesfalls verlassen werden, denn unter der Oberfläche können extrem hohe Temperaturen herrschen. Warnschilder weisen auf rutschige und gefährliche Bereiche hin. Gerade mit Kameraequipment und normalen Sneakern merken wir schnell, dass festes Schuhwerk für manche Wege definitiv die bessere Entscheidung gewesen wäre.
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